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Atlas zur gerechten Verteilung der Welt

 
Neotopia. Atlas zur gerechten Verteilung der Welt.
  • Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
  • Verlag: Limmat Verlag; Auflage: 1. Aufl. (6. Juni 2002)
  • Sprache: Deutsch, Englisch
  • ISBN: 385791405X
Amazon-Preis: EUR 31,50 Kostenlose Lieferung.

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Kurzbeschreibung
Wie würde die Welt aussehen, wenn jeder Mensch die gleichen Voraussetzungen wie jeder andere hätte? Manuela Pfrunder beantwortet diese Frage, indem sie in «Neotopia» eine imaginäre neue Weltordnung präsentiert. «Neotopia» zeigt die typografisch eindrücklich gestaltete Vision einer Welt, in der alles im Sinne radikaler Gerechtigkeit neu verteilt ist, in der jeder Mensch die gleichen Rechte und damit auch den gleichen Anspruch auf alle Ressourcen hat.

Auf der Basis von aktuellen Statistiken werden die Besitzverhältnisse so geregelt, dass jeder Mensch den gleichen Anteil an allem erhält. Was besitzt dann jeder Einzelne? Wie viel Insel? Wie viel Eis? Wie lange leben wir in Luxus? Wie lange hungern wir, und in wie vielen Jahren erhalten wir ein neues Paar Jeans? «Neotopia» teilt jedem ein eigenes Land zu, 291,5 m x 291,5 m gross, mit Insel, Wasser, Kultur- und Ackerland, mit Wüste, einem Anteil an der Reis-, Auto- und Seifenproduktion und der Freiheit, mit seinen Ressourcen auf eigene Weise umzugehen.
 

Neue Zürcher Zeitung
Im Land der vollkommenen Gerechtigkeit
Manuela Pfrunders Gedankenexperiment «Neotopia»
Gerechtigkeit für alle! Leicht schreibt man sich derlei Wahlsprüche auf die Flagge, etwas schwieriger wird in der Regel der Versuch, sie in die Tat umzusetzen oder auch nur konsequent durchzudenken. Die 1979 geborene Manuela Pfrunder hat die einschlägige Formel zum Thema ihrer Abschlussarbeit in – nicht etwa Soziologie oder Jura, sondern Grafik gemacht; sie nutzte die künstlerische Freiheit ihres Fachs, um nun im schmalen Bild-Text-Band «Neotopia» ein Konzept vorzulegen, das auf spielerische Weise einiges zu denken gibt. Die Grundidee ist einfach: Man nehme die verfügbaren Ressourcen an Land und Wasser, Energie, Tieren, Pflanzen und materiellen Gütern und dividiere die Summa durch die Kopfzahl der Erdenbürger. So teilt die Autorin zunächst jedem Menschen sein persönliches «Land» zu, inklusive maritimen Umschwungs, vorgelagerter Insel und Polarzonen in Nord und Süd. Statt der bekannten Weltkarte entsteht so ein dichter Raster von 6 442 450 944 Planquadraten, der ebenso viele kleine Landblöcke über den von einem Weltmeer bedeckten und von sechs Sonnen gleichmässig erhellten Globus verteilt. Das jedem Einzelnen zugeteilte Stückchen Festland – in der obigen Bildwiedergabe muss es leider ohne die originale Farbgebung erscheinen – ist nach einheitlichem Gestaltungsplan in Wald- und Wüstenzonen, Wiesen, Gewässer, Acker- und Kulturland aufgeteilt; mit 200 × 115 Metern Auslauf hat man sich zu begnügen, das beigegebene Inselchen von etwa 37 × 37 Metern ist wohl gerade für einen Wochenendausflug gut. Während in diesen Grafiken primär der künstlerische Part der Diplomarbeit mit Geschick, aber ganz im Bereich des Imaginären eingelöst wird, engagiert die Autorin den Leser im knapp gehaltenen Begleittext auf unmittelbarere Art. Dabei fördert sie im bodennahen Kalkül mit statistischen Werten und Produktionszahlen durchaus Überraschendes zutage. Zwar werden wir in der neuen, vollkommen gerechten Welt 60 Tage im Jahr Hunger leiden und nur alle zwei Monate in den Genuss einer Tasse Kaffee kommen; dafür gibt's immerhin zwei Zigaretten pro Tag, am Wochenende sogar drei. Bedenklich dürfte die Tatsache stimmen, dass jedes Ländchen mit 333 333 US-Dollar verschuldet ist, die Unterstützungsleistungen der Vereinten Nationen, des World Food Programme und anderer grosser Hilfsorganisationen aber lediglich mit Beträgen wie 0,205 oder 0,177 Dollar zu Buche schlagen. Aufzufinden sind wir unter dem Code unseres Planquadrats, und da allen die gleichen Kommunikations- und Reiseprivilegien zustehen, ist tröstlicherweise sogar die Einsamkeit nach Massgabe des Rechts verteilt. «Neotopia» ist eine Art Gegenentwurf zur bereits kursierenden Idee vom fiktiven «Weltdorf», unter dessen 100 Bewohnern die Güter dieser Erde gemäss den realiter herrschenden Verhältnissen aufgeteilt sind – so dass Ungleichheiten und Unrecht im überschaubaren Rahmen umso stärker hervortreten. Die diesem Konzept inhärente Moralinsäure hat Manuela Pfrunder neutralisiert, indem sie nicht die Fetten mit den Habenichtsen konfrontiert, sondern unterschiedslos allen mit verschmitzter Grosszügigkeit darreicht, worauf sie (wenn denn alles mit rechten Dingen zuginge) ein Anrecht hätten: eine kecke Justitia ohne Augenbinde – und ohne Schwert. Angela Schader

 

 

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